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Informationsveranstaltung für angehende Hausärztinnen und Hausärzte

Wie geht es in Zukunft mit unseren Hausärztinnen und Hausärzten weiter? Wie lassen sich Praxisalltag und Privatleben vereinbaren? Warum bleibt der Hausarztberuf einer der schönsten Berufe der Welt? Diese und weitere Fragen wurden am Dienstag, den 15. Oktober 2019, in einer ersten Informationsveranstaltung für angehende Hausärztinnen und Hausärzte thematisiert.

Symbolbild: Haus mit Herz und ein Stethoskop / Bildquelle: africa studio/shutterstock.com

In Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien), der Jungen Allgemeinmedizin Österreichs (JAMÖ), der Ärztekammer für Wien und der Stadt Wien hat die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) Medizinstudierende sowie Turnusärztinnen und Turnusärzte eingeladen, um über die Zukunft der Allgemeinmedizin zu sprechen. Insgesamt besuchten rund 60 Medizinstudierende, Turnusärztinnen und Turnusärzte sowie Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitssystems die WGKK-Zentrale am Wienerberg.

Bildquelle: wgkk


v.l.n.r.: Univ.-Prof. in Dr.in Anita Rieder (Vizerektorin für Lehre an der MedUni Wien), Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen (Abteilungsleitung für Allgemein- und Familienmedizin der MedUni Wien), Prof.in Dr.in Kathryn Hoffmann (Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin der MedUni Wien), Dr.in Martina Malus (Allgemeinmedizinerin aus dem 21. Bezirk in Wien), Dr. Oliver Schneeberger (JAMÖ), Mag.a Grieser (Abteilungsleitung Vertragspartner, WGKK)

Mag.a Ursula Griesser, Abteilungsleiterin der Abteilung „Vertragspartnerverrechnung und Verhandlung“ der WGKK, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte Dr.in Susanna Michalek von der Ärztekammer für Wien und Mag.a Susanne Guld von der Stadt Wien. „Was uns alle heute hier eint, ist das Interesse an der Allgemeinmedizin. Wir wissen, dass man dafür viel Empathie, ein großes Herz und sehr viel Wissen benötigt“, betonte Griesser.

Von Seiten der MedUni Wien begrüßte Univ.-Prof.in Dr.in Anita Rieder, Vizerektorin für Lehre. Sie bekräftigte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und der WGKK im Rahmen der Landeszielsteuerung Gesundheit.

Wichtig: Die Gelegenheit zum Praxistest

In Form von Impulsvorträgen wurden drei verschiedene Perspektiven der Allgemeinmedizin aufgegriffen.

Prof.in Dr.in Kathryn Hoffmann vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien machte den Anfang: „Allgemeinmedizin ist der medizinische Schlüsselberuf im Primärversorgungssektor! Neben klar definierten Zielsetzungen und guter finanzieller Absicherung, bedarf es auch an exzellenten Aus- und Weiterbildung für die Allgemeinmedizin. Denn eine starke hausarztzentrierte Versorgung führt zu einer erhöhten Lebenserwartung in der Bevölkerung“, so Hoffmann. Die ersten praktischen Erfahrungen in einer Hausarztpraxis sind oft ausschlaggebend dafür, sich später für die Ausbildung in der Allgemeinmedizin zu entscheiden.  „Darum sollen Studierende ihre praktischen Erfahrungen nicht nur im Spital, sondern vor allem auch in der Hausarztordination sammeln“, bekräftigte Hoffmann. Aus diesem Grund fördert die WGKK im Rahmen der Landeszielsteuerung Gesundheit gemeinsam mit der MedUni Wien und der Stadt Wien das klinisch praktische Jahr (KPJ).

Das KPJ-Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin ermöglicht Studierenden an der MedUni Wien bereits im Studium (KPJ) Praxisluft zu schnuppern. Die Besonderheit: Es wird in gleicher Höhe wie der KPJ-Aufenthalt im Krankenhaus abgegolten.

In einem zweiten Impulsvortrag gewährte Dr. Oliver Schneeberger, angehender Allgemeinmediziner und Vertreter der Initiative „Junge Allgemeinmedizin Österreich“ (JAMÖ),

Einblicke in seine Erfahrungen im Wilhelminenspital: „Die Ausbildung im Krankenhaus kann sich ganz unterschiedlich gestalten - ich konnte in meinem Turnus viel für die Zukunft lernen und mitnehmen“. Trotzdem ist auch Eigeninitiative gefragt, betonte er:Traut euch den Mund aufzumachen und fordert das ein, was euch im Rahmen der Ausbildung zusteht.“

Am Schluss sprach Dr.in Martina Malus, niedergelassene Ärztin im 21. Bezirk, von ihrem Beruf als einem „der schönsten Berufe der Welt“ den sie heute auch wiederergreifen würde und berichtete über ihre Arbeit in der Gruppenpraxis Donaufeld: „Als Hausärztin betreue ich Patientinnen und Patienten über viele Jahr hinweg und begleite sie durch viele verschiedene Lebensphasen, oft bis ins hohe Alter.“  

Die überzeugte Hausärztin meinte: „Das ist eine Art zu arbeiten, die mir sehr gut gefällt. Man sieht den Menschen ganzheitlich und behandelt nicht nur die Symptome der Krankheit, sondern bezieht alles mit ein. Die Arzt-Patient Beziehung ist ein Vertrauensverhältnis, bei dem die „Chemie“ definitiv passen muss.“ Sie ermutigte die Studierenden, „sich einfach zu trauen, denn grundsätzlich ermöglicht der Hausarztberuf selbständiges Arbeiten mit großer finanzieller Sicherheit.“

Finanzspritze: Förderung bei Praxisgründung

In einer abschließenden Diskussionsrunde über die Zukunft der Allgemeinmedizin konnten Bedürfnisse, Fragen und Anregungen von Seiten der anwesenden angehenden Medizinerinnen und Mediziner besprochen werden. Informationsbedarf bot sich vor allem zu den Themen Praxisgründung und Verdienstmöglichkeiten in der Allgemeinmedizin.

Griesser wies darauf hin, dass die Tarife in der Allgemeinmedizin merklich angehoben wurden: „Im Rahmen der letzten Verhandlungen wurden die Honorare für die Jahre 2018-2020 um insgesamt mehr als 30 Prozent erhöht.“ Darüber hinaus gibt es auch für die Praxisgründung Unterstützung. Neben 44.000 Euro Startkapital für die Eröffnung einer Ordination im 10. Bezirk, aus den Strukturmitteln des Wiener Gesundheitsfonds, bietet auch die Ärztekammer für Wien intensive Unterstützung für den Schritt in die Selbständigkeit.

„Zudem lassen sich Praxisalltag und Privatleben gut vereinbaren“, so auch eine anwesende Hausärztin aus dem Publikum. Die neuen Kassenvertragsmodelle wie zum Beispiel Gruppenpraxis, Jobsharing und Primärversorgungseinheiten bieten Hausärztinnen und Hausärzte individuelle Möglichkeiten, wie sie ihr Berufsleben gestalten können. „Durch die enge Zusammenarbeit mit meiner Kollegin, konnte ich mein Berufsleben flexibel gestalten – auch meine zwei Kinder waren kein Problem“, ergänzte die Hausärztin.

Auch nach dem offiziellen Teil des Abends, wurden noch weitere Fragen beantwortet. An den Beratungstischen der verschiedenen Beteiligten im Gesundheitssystem (u.a. der Stadt Wien und der Ärztekammer für Wien) informierten sich die Studierenden und angehenden Hausärztinnen und Hausärzte noch weiter und nutzen die Möglichkeit der Vernetzung.

An diesem Abend wurde eindeutig klar: Der Hausarztberuf ist ein vielseitiger und spannender Beruf - trotzdem müssen weiterhin Vorurteile entkräftet und Studierenden die Angst vor der Selbständigkeit genommen werden. Griesser abschließend: „Junge Ärztinnen und Ärzte, die sich jetzt für die Allgemeinmedizin entscheiden, können sicher sein: Wir setzen uns für Sie ein!“