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Die WGKK stärkt Hausärztinnen & Hausärzte in Wien

Wichtige Fragen und Antworten rund um das Thema - „Der Hausarztberuf im Wandel der Zeit“

Symbolbild: Haus mit Herz und ein Stethoskop / Bildquelle: africa studio/shutterstock.com

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Warum ist der Hausarztberuf so wichtig für Patientinnen und Patienten sowie Familie und Gesellschaft? 

  • Der erste Kontaktpunkt im Gesundheitssystem
  • Lotsenfunktion
  • Personenbezogener Ansatz
  • Ganzheitliches Patientenverständnis
  • Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen
  • Umfangreiche fachliche Kompetenzen
  • Stärkung der Gesundheitskompetenz
  • Abdeckung von Prävention und Gesundheitsförderung
  • Entlastung der Spitalsversorgung

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Wie ist die aktuelle Situation der Allgemeinmedizin?

In den letzten Jahren kam es in vereinzelten Regionen, verstärkt zu Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung von Kassenstellen für die Allgemeinmedizin. In Wien werden in den nächsten Jahren zahlreiche Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin in Pension gehen. Dazu kommt noch, dass sich immer weniger Medizinstudierende für die Ausbildung in der Allgemeinmedizin entscheiden. Seit der Gesundheitsreform 2013 steht die Stärkung der Primärversorgung im Fokus der gesundheitspolitischen Agenda. Mit dem Gesundheitsreformumsetzungsgesetz 2017 (GRUG) wurden schließlich die Rahmenbedingungen für eine verstärkte Primärversorgung festgelegt. Primärversorgungsstrukturen sollen vergrößert und ausgebaut werden, um zukünftig die Fachversorgung zu entlasten und der Bevölkerung am „Best Point of Service“ gerecht zu werden. Deshalb braucht es nicht nur neue Organisationsformen und Rahmenbedingungen, sondern auch eine grundsätzliche Veränderung der Wahrnehmung und Wertschätzung dieser Berufsgruppe in der Bevölkerung.

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Was versteht man unter der „Wiener Landeszielsteuerung Gesundheit“?

Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen ist für eine effiziente und nachhaltige Versorgung der Bevölkerung von besonderer Bedeutung.

Im Rahmen der Gesundheitsreform von 2013 wurde die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung im Gesetzt verankert. Der Artikel 15a Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) legt somit auf Landesebene eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Land Wien und der Wiener Gebietskrankenkasse fest. Gemeinsam wurden strategische Ziele formuliert und zahlreiche Maßnahmen entwickelt und umgesetzt.

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Welche Maßnahmen wurden im Rahmen der Landeszielsteuerung Gesundheit erfolgreich von der WGKK umgesetzt?

Unter anderem wurde insbesondere zur Förderung des Hausarztberufes ein spezielles Angebot für Studierende, die sich für die Allgemeinmedizin interessieren entwickelt.

Das KPJ-Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin ermöglicht Studierenden praktische Einblicke in das breite und spannende Berufsfeld der Allgemeinmedizin in Wien. So können selbst Medizinerinnen und Mediziner, die noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn stehen, in Berührung mit der allgemeinmedizinischen Tätigkeit kommen.

Besonderheit: Es wird in gleicher Höhe finanziell abgegolten wie der KPJ-Aufenthalt im Krankenhaus. Das Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin wurde erstmals 2018 in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien, den Wiener Krankenversicherungsträgern und der MedUni Wien ins Leben gerufen und wird in den nächsten Jahren fortgesetzt. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Was bedeutet „Primärversorgung“?

Mit dem Begriff Primärversorgung ist die niedergelassene allgemeinmedizinische Gesundheitsversorgung gemeint. Deshalb nehmen Hausärztinnen und Hausärzte in der Primärversorgung eine besondere Rolle ein.

Es ist sozusagen die erste Anlaufstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Diese Schlüsselfunktion in der Gesundheitsversorgung umfasst allerdings nicht nur die allgemeinmedizinische Behandlung, sondern auch Beratung, Information, Gesundheitsförderung und Prävention.

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Was ist mit „Primärversorgungseinheiten“ gemeint?

Primärversorgungseinheiten - kurz PVE - sind neue, ergänzende Organisationsformen der niedergelassenen Gesundheitsversorgung.

Hausärztinnen und Hausärzte haben nun die Möglichkeit sich in einem Zentrum oder einem Netzwerk mit anderen Gesundheitsberufen zusammenzuschließen.

In Wien arbeiten nun unter anderem die Berufsgruppen Psychotherapie, Sozialarbeit, Diätologie und Allgemeinmedizin eng in einem Team zusammen. Diese neuen Gesundheitseinrichtungen führen zu einer umfassenden und ganzheitlichen Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung. PVE haben einen Kassenvertrag und Versicherte können mit der e-card alle Vertragsleistungen einer PVE nutzen.

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Was sind die Vorteile für Patientinnen und Patienten?

u.a.:

  • Längere Öffnungszeiten
  • Geringere Wartezeiten
  • Erweitertes und umfassendes Leistungsangebot
  • Abgestimmte Betreuung durch die enge Zusammenarbeit im PVE-Team
  • Ganzeinheitlicher Informationsaustausch über den Behandlungserfolg
  • Stärkung der Gesundheitskompetenz 
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Was sind die Vorteile für das PVE-Team?

u.a.:

  • Steigerung der Lebensqualität und der Arbeitszufriedenheit
  • Unterstützende Zusammenarbeit bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten
  • Konzentration der Ärztinnen und Ärzte auf die ärztliche Tätigkeit
  • Zusätzliche Ausbildungsstellen für Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner
  • Verbesserte Möglichkeit zu Aus-, Fort- und Weiterbildung durch Teamarbeit
  • Attraktive Honorierung

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Wie setzt sich die WGKK für Hausärztinnen und Hausärzte ein? 

Die Pensionierungen bei den Vertragsärztinnen und Vertragsärzten und der Abgang der Absolventen für Allgemeinmedizin stellen die WGKK und die Ärztekammer für Wien vor große Herausforderungen bei der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung.

Deshalb wurden bereits viele Maßnahmen von Seiten der WGKK getroffen, um den Hausarztberuf für die Zukunft fit zu machen.

Finanzielle Unterstützung von Anfang an

Im Rahmen der letzten Verhandlungen 2018 zur Stärkung und Strukturverbesserung in der Primärversorgung wurden die allgemeinmedizinischen Honorare massiv aufgewertet. Für die nächsten drei Jahre ergibt sich somit eine Erhöhung von mehr als 30 %.

Eine finanzielle Unterstützung zur Praxisgründung wurde gemeinsam mit der Stadt Wien zunächst für den 10. Bezirk festgelegt, um Praxisgründerinnen und Praxisgründern die bestmögliche Unterstützung direkt am Anfang zu bieten.

Gegebenenfalls wird es diese Ansiedlungsförderung in Zukunft auch in weiteren Gebieten in Wien geben.

Ebenfalls besteht bei der Gründung einer Praxis die Möglichkeit einer Honorarvorauszahlung. Der WGKK-Kassenvertrag ermöglicht selbständiges Arbeiten mit größter finanzieller Sicherheit.  

Die WGKK arbeitet laufend gemeinsam mit der Ärztekammer für Wien an der Weiterentwicklung eines modernen und attraktiven Honorarkatalogs.

Flexible Kassenvertragsmodelle

Die Regelversorgung der Einzelpraxis besteht weiterhin, dennoch ist es nicht die einzige Möglichkeit sich in der Allgemeinmedizin niederzulassen.

Neben dem bereits stark etablierten Gruppenpraxen-Modell bietet auch das sogenannte Jobsharing-Modell mehr Flexibilität und Freizeit durch eine Kooperation mit bereits erfahren niedergelassenen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern.

Primärversorgungseinheiten bieten eine weitere Möglichkeit zur Teamarbeit, Entlastung von administrativen Aufgaben und flexiblen Arbeitszeiten in Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen sowie den anderen zusätzlichen Gesundheitsberufen vor Ort in der Praxis.

Zurzeit wird gerade gemeinsam mit der Ärztekammer für Wien auch die Anstellung der Ärztinnen und Ärzte forciert. Das kommt dem Wunsch vieler angehenden Ärztinnen und Ärzte entgegen, die den Sprung in die Selbständigkeit (noch) nicht wagen.

Anreize für Hausärztinnen und Hausärzte von morgen

Der Hausarztberuf ist ein erfüllender und abwechslungsreicher Beruf. Damit auch junge Ärztinnen und Ärzte diesen Weg einschlagen, wurden zahlreiche Initiativen gesetzt. 

  • Das KPJ-Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin, im Rahmen der Landeszielsteuerung Gesundheit, in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und der MedUni Wien
  • Vorträge für interessierte KPJ-Studierende, Turnusärztinnen und Turnusärzte im Hanusch Krankenhaus
  • Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen für Medizinstudierende und angehende Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner
  • Präsenz auch auf Karrieremessen und Events für Ärztinnen und Ärzte
  • Unterstützung der geplanten österreichweiten Imagekampagne für Hausärztinnen und Hausärzte
  • Etablierung einer umfassenden Gründungsinitiative für angehende Vertragspartnerinnen und Vertragspartner

Starke und faire Partnerschaft

Die Bedeutung der Allgemeinmedizin für Patientinnen und Patienten, Familie und der Gesellschaft ist der WGKK längstens bewusst. Wertschätzung und Vertrauen ist die Grundlage für eine starke und faire Partnerschaft. Wir von Seiten der WGKK setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit der Ärztekammer für Wien und unseren Vertragspartnerinnen und Vertragspartnern, egal ob am Verhandlungstisch, in einzelnen Beratungsgesprächen, gemeinsamen Workshops oder Veranstaltungen.

Es bedarf an einer gemeinsamen Weiterentwicklung der Rahmenbedingung in der Allgemeinmedizin und der Stärkung unserer vertragspartnerschaftlichen Beziehung mit Hausärztinnen und Hausärzten.