DRUCKEN

Protonenpumpenhemmer: Zum richtigen Zeitpunkt gut für den Magen

Tipps zu den oft als "Magenschutz" bezeichneten Medikamenten

Mann liegt mit Bauchschmerzen auf der Couch / Africa-Studio/shutterstock.com

Sodbrennen oder Magendrücken kennt praktisch jeder. Besonders häufig sind diese Beschwerden, wenn viel gegessen oder getrunken wurde. Meist hilft es dann schon, etwas weniger zu essen und fette und süße Lebensmittel sowie Alkohol für einige Zeit zu meiden. Auch manche Hausmittel können rasch helfen. Leiden Sie über längere Zeit immer wieder an Magenproblemen, sollten diese unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Keinesfalls sollten Sie aber ohne ärztliche Beratung Medikamente längerfristig einnehmen. Das gilt insbesondere für die so genannten „Protonenpumpenhemmer“, auch häufig irreführend als „Magenschutz“ bezeichnet. Mag. pharm. Karin Kirchdorfer, Leiterin der Anstaltsapotheke im Hanusch-Krankenhaus betont: „Protonenpumpenhemmer sind hochwirksame Arzneimittel, mit denen sorgsam umgegangen werden soll. Sie sollen nur nach ärztlicher Verordnung für akute Problematiken, eingesetzt werden“.

So wirken Protonenpumpenhemmer

„Protonenpumpenhemmer“ oder „Protonenpumpeninhibitoren“ (kurz PPI) sind eine der am häufigsten verordneten Medikamentengruppen in Österreich. Es stehen verschiedene Wirkstoffe (Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Esomeprazol) zur Verfügung, die in ihrer Wirkung sehr ähnlich sind. Protonenpumpenhemmer verringern die Säurebildung im Magen, wodurch die Magenflüssigkeit weniger sauer ist und Reizungen der Magenschleimhaut können besser abheilen. Protonenpumpenhemmer werden sowohl zur Behandlung von Erkrankungen des Magens, der Speiseröhre und des Zwölffingerdarms als auch zur Vorbeugung spezieller Erkrankungen verschrieben.

Bei diesen Krankheitsbildern kommen Protonenpumpenhemmer zum Einsatz:

  • Reflux: Das ist das wiederholte Aufsteigen von Mageninhalt in der Speiseröhre, manchmal bis in die Mundhöhle, wodurch die Speiseröhre gereizt wird. Es kommt zu brennenden Schmerzen, auch Husten kann durch Reflux ausgelöst werden. Bleiben die Beschwerden auch nach vier Wochen Therapie mit Protonenpumpenhemmern bestehen, ist eine Gastroskopie (Magenspiegelung) nötig.
  • Geschwüre im Magen oder im Zwölffingerdarm, auch gastroduodenale Ulzera genannt
  • Magenschleimhautentzündung, auch Gastritis genannt
  • Magen-Infektionen mit dem Keim Helicobacter pylori gemeinsam mit Antibiotika

Protonenpumpenhemmer zur Vorbeugung

Protonenpumpenhemmer können auch zur Vorbeugung von Magengeschwüren bei Notwendigkeit einer langfristigen bzw. hochdosierten Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln (aus der Gruppe der sogenannten „nichtsteroidalen Antirheumatika“, wie z.B. Ibuprofen, Diclofenac) oder bei Einnahme von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung bei RisikopatientInnen verwendet werden, wenn folgende Risikofaktoren vorliegen:

  • höheres Alter
  • Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre in der Krankengeschichte
  • Einnahme verschiedener Schmerzmittel
  • Hochdosierung der Schmerzmittel
  • gleichzeitige Einnahme von bestimmten blutverdünnenden Medikamenten
  • gleichzeitige Einnahme von bestimmten Medikamenten gegen Depressionen (beispielsweise aus der Gruppe der „SSRI“, die besonders gezielt den Serotonin-Spiegel erhöhen)
  • gleichzeitige Einnahme von Kortison

Keinesfalls ist die Anwendung von PPI angezeigt als allgemeiner Magenschutz bei genereller Einnahme „vieler Medikamente“.

Protonenpumpenhemmer richtig einnehmen

Wichtig ist das Medikament richtig einzunehmen und die je nach Erkrankung unterschiedliche Therapiedauer der Einnahme einzuhalten. Die beste Zeit für die Einnahme ist 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück. Treten die Beschwerden vor allem in der Nacht auf, kann das Medikament auch vor dem Schlafengehen genommen werden. Die Tablette/ Kapsel darf dazu nicht zerkaut, gemörsert oder zerstoßen werden. Tabletten dürfen nur geteilt werden, wenn das im Beipackzettel angeführt ist. Kapseln können geöffnet werden, um die darin enthaltenen Pellets etwa mit Wasser einzunehmen. Auch diese dürfen nicht zerstoßen werden.

Einnahmedauer mit Ärztin bzw. Arzt besprechen

Eine dauerhafte Einnahme von Protonenpumpenhemmern ist nur selten nötig. Fragen Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt schon bei der Verschreibung, wie lange Sie das Medikament nehmen sollen. Je nach Erkrankung und Beschwerden ist die empfohlene Einnahmedauer unterschiedlich lange. Besprechen Sie nach dieser Zeit mit Ihrem Arzt, ob eine weitere Einnahme nötig ist. Keinesfalls sollten Sie die Einnahme ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt weiterführen. Es besteht auch die Möglichkeit, zunächst die Dosis zu verringern oder das Medikament nur mehr bei Symptomen oder etwa nur jeden zweiten Tag zu nehmen.

Wichtig: Nach längerer Einnahme sollten Protonenpumpenhemmer nicht plötzlich abgesetzt werden, sondern die Dosis über mehrere Tage langsam verringert werden. Das verhindert eine erneute verstärkte Magensäurebildung, die wieder zu Beschwerden führen kann.

Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern vermeiden

Die dauerhafte Einnahme von Protonenpumpenhemmern ist nur in den seltensten Fällen nötig. Zu Bedenken ist, dass diese an sich gut verträglichen Medikamente bei längerer Anwendung durchaus unangenehme und auch riskante Nebenwirkungen aufweisen. Erwiesen sind folgende Nebenwirkungen:

  • erhöhtes Knochenbruchrisiko
  • erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Trakts
  • erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen
  • Entwicklung und Verstärkung von Nahrungsmittelallergien

Bei allen Fragen zur Anwendung von Protonenpumpenhemmern wenden Sie sich bitte an Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihren Arzt.