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Gesund durch die große Kälte

Tipps gegen die Kälte - und richtig reagieren bei Unterkühlung oder Erfrierung

Familie mit Kleinkind in verschneiter Natur / Bildquelle: kibler/shutterstock.com

Draußen hat es deutlich unter 0°C – für viele Menschen ein Grund, es sich Zuhause gemütlich zu machen. Viele müssen aber regelmäßig hinaus – sei es um in die Arbeit zu kommen, oder weil ihr Arbeitsplatz überhaupt im Freien ist. Und viele andere zieht es zum Sport hinaus. Für alle gilt: Kälte ist eine Belastung für den Körper. Gleichzeitig tun Aufenthalte im Freien Körper und Seele auch im Winter gut. Entscheidend sind die richtige Ausrüstung und die Dauer des Aufenthalts im Freien. Bei großer Kälte müssen besonders Kinder, chronisch Kranke sowie alte Menschen besonders aufpassen.

Oberärztin Dr.in Susanne Prosquill / Bildquelle: WGKK Oberärztin Dr.in Susanne Prosquill (siehe Foto), Internistin im WGKK-Gesundheitszentrum Süd, rät: „Vor allem Patientinnen und Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK), bei Angina-pectoris-Beschwerden, nach einem Herzinfarkt, bei Bluthochdruck, Herzschwäche und Vorhofflimmern sollten wachsam durch die Wintermonate gehen, da sich diese Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Kälte besonders häufig verschlechtern und besonders häufig auftreten“. Niedrige Temperaturen können die Blutgefäße der Haut und verschiedener andere Körperregionen stark verengen. Der Blutdruck steigt und das Herz muss das Blut gegen einen höheren Widerstand durch die Adern pumpen, was einen hohen Dauerstress für den Herzmuskel und die Gefäßwände darstellen kann. Oberärztin Prosquill empfiehlt daher Herzpatientinnen und Herzpatienten, ihren Blutdruck und Puls in der kälteren Jahreszeit besonders gewissenhaft zu kontrollieren.

Wer über längere Zeit in die Kälte hinaus will oder muss, sollte folgendes unbedingt beachten:

Richtige Ausrüstung

Unverzichtbar für einen längeren Aufenthalt in der Kälte sind warme, wasserdichte und rutschfeste Schuhe, Handschuhe und eine Kopfbedeckung. Für die Kleidung empfehlen sich mehrere Schichten übereinander – das erlaubt eine rasche Anpassung etwa während oder nach dem Sport. Wer geschwitzt hat, sollte sich rasch umziehen. Ein warmes Getränk zwischendurch hilft auch gut. Auf Alkohol sollte dabei aber möglichst verzichtet werden, dieser senkt das Kälteempfinden und verleitet zu unüberlegten Handlungen. Das kann etwa beim Schifahren oder Rodeln rasch gefährlich werden.

Erfrierungen vermeiden

Auch das Risiko für Erfrierungen sollte nicht unterschätzt werden – speziell, wenn zur Kälte auch noch Wind dazukommt. Schon wenig Wind führt dazu, dass die Wirkung der Kälte auf die Haut verstärkt wird. Man spricht vom Wind-Chill-Faktor. Besonders gefährdet sind Finger und Zehen aber auch Ohren und Nase. Diese gilt es bei sehr niedrigen Temperaturen gut zu schützen. Piercings sollten vor dem Aufenthalt in der Kälte entfernt werden. Bei der Wahl der Schuhe ist wichtig, dass diese groß genug sind, um die Zehen – trotz dicker Socken – bewegen zu können! Das ist v.a. bei Kindern relevant!

Erfrierungen der Haut und des darunterliegenden Gewebes sind ebenso thermische Verletzungen wie Verbrennungen. Bei leichten Erfrierungen sind die betroffenen Körperteile zunächst bläulich und kalt. Durch vorsichtiges Erwärmen verschwinden die Symptome wieder. Schreitet die Erfrierung fort, kommt es zur Blässe, dann zur Blasenbildung, noch später zur Schorfbildung und zum Absterben von Gewebe. „Keinesfalls dürfen von Erfrierungen betroffene Körperteile – etwa durch Massagen oder Reiben - rasch erwärmt werden. Diese würden das betroffene Gewebe noch mehr schädigen“, warnt Oberärztin Prosquill.

Erste Hilfe bei Unterkühlung

„Eine Unterkühlung des Körpers – die Medizin spricht von Hypothermie - äußert sich zunächst durch Zittern, Verwirrtheit, Sprachschwierigkeiten, Müdigkeit, gesteigerte Atmung und erhöhten Herzschlag“, informiert Oberärztin Prosquill. Schreitet die Unterkühlung fort, hören die Betroffenen meist auf zu zittern. Es kommt zu verringerter Atmung, verlangsamtem Herzschlag, Apathie und Kreislaufversagen bis zum Koma. Betroffene sollten von Laien vor der Kälte geschützt werden (Decken, warmes Umfeld, Ausziehen nasser Kleidung, Anbieten warmer Getränke) und rasch ärztlich versorgt werden. „Menschen mit Unterkühlung sollten nicht viel bewegt werden, weil dabei das abgekühlte Blut aus den Gliedmaßen in das Körperinnere gelangen kann und diesen noch stärker abkühlt. Besonders rasch kühlt ein Mensch im kalten Wasser aus – etwa wenn er ins Eis einbricht.

Notrufnummern

Im Notfall rufen Sie bitte die Rettung unter 144 oder die Bergrettung unter 140 oder die europäische Notrufnummer 112.

Wenn Sie den Schlafplatz eines Obdachlosen in Wien im Winter im Freien entdecken, können Sie sich unter 01-480 45 53 an das Kältetelefon der Caritas wenden. Oder Sie schicken ein E-Mail mit der genauen Ortsangabe an: linkkaeltetelefon@caritas-wien.at