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Patientensicherheit: Hanusch-Krankenhaus führt Med-Check durch

Klinische Pharmazeutinnen überprüfen die Medikation von PatientInnen vor geplanten Operationen


Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) nimmt den internationalen Patientensicherheitstag, der am 17. September begannen wird, zum Anlass, um über ein beispielhaftes Projekt zur Erhöhung der Medikamentensicherheit bei geplanten Operationen zu informieren: Seit April 2018 überprüfen im Hanusch-Krankenhaus der WGKK klinische Pharmazeutinnen der Krankenhausapotheke bereits im Rahmen der Operationsfreigabe die Medikation der Patientinnen und Patienten und machen gegebenenfalls den behandelnden Ärztinnen und Ärzten Vorschläge zur Erhöhung der Medikamentensicherheit. Das klinisch-pharmazeutische Service oder kurz „Med-Check“ wird im Hanusch-Krankenhaus vorerst bei geplanten Operationen in den Fächern Chirurgie, Urologie, Gynäkologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde durchgeführt.

Medikamentencheck schon vor der Aufnahme

Viele Patientinnen und Patienten, die sich einer geplanten Operation unterziehen müssen, sind bereits chronisch krank und nehmen regelmäßig Medikamente ein. Damit das Hanusch-Krankenhaus diese Arzneien rechtzeitig vor der Aufnahme vollständig erfassen und durch die Operation notwendige Anpassungen veranlassen kann, erhalten die Patientinnen und Patienten vor der Aufnahme einen eigens entwickelten Erhebungsbogen zum Ausfüllen. Darauf tragen die Patientinnen und Patienten alle verordneten und selbst gekauften Arzneien sowie Nahrungsmittelergänzungen ein und bringen die Liste zur Operationsfreigabe rund eine Woche vor dem Eingriff ins Hanusch-Krankenhaus mit. Die Pharmazeutinnen erhalten die Medikamentenliste gemeinsam mit der Krankenakte und unterziehen diese noch vor der stationären Aufnahme einer eingehenden Überprüfung. 

Zunächst wird so sichergestellt, dass alle nötigen Arzneistoffe während des Aufenthalts zur Verfügung stehen. Zusätzlich überprüfen die Pharmazeutinnen jede Krankenakte auf mögliche Arzneimittel bezogene Probleme. Dabei wird ein individueller Check auf Wechselwirkungen (Interaktionen) zwischen den Medikamenten durchgeführt, die Dosierung und Einnahmeregelung überprüft und die individuelle Notwendigkeit und Eignung jedes Medikaments hinterfragt (Indikation). Darauf basierend machen die Pharmazeutinnen den Ärztinnen und Ärzten gegebenenfalls evidenzbasierte Optimierungsvorschläge für die individuelle Medikation und dokumentieren dies auch in der Patientenakte des Hanusch-Krankenhauses. 

Bei 37 Prozent sind Anpassungen nötig

Nun liegt nach der Prüfung von 1000 Patientengeschichten ein erstes Resumée vor. Im Schnitt nahmen etwa 75 Prozent der betrachteten Patientinnen und Patienten zumindest ein Dauermedikament ein. Bei 37 Prozent wurden Optimierungsvorschläge für die Medikation gemacht. Mag.a pharm. Karin Kirchdorfer, Leiterin der Apotheke im Hanusch-Krankenhaus, berichtet erste Erfahrungen: „Besonders häufig findet sich Optimierungsbedarf bei der Medikation von älteren, multimorbiden Patientinnen und Patienten.

Wechselwirkungen, unerwünschte Arzneimittelwirkungen beziehungsweise nicht mehr indizierte Weiterverschreibungen werden so in einem klaren Prozess erkannt und können bereinigt werden. Routinemäßig weisen wir auch auf ein erhöhtes Risiko für Blutungen, Stürze oder die Entwicklung eines Delirs hin. Diese werden dann in die Therapieentscheidung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte miteinbezogen“. Dadurch kann die Patientensicherheit während des Aufenthalts erhöht werden. Dr.in Elisabeth Zwettler, Ärztliche Direktorin des Hanusch-Krankenhauses erklärt: „Das klinisch-pharmazeutische Service trägt wesentlich zur Patientensicherheit bei. Ich bin stolz, dass wir im Hanusch-Krankenhaus diese Qualität bieten können.“

Beratung für den niedergelassenen Bereich

In manchen Fällen geht das pharmazeutische Service im Hanusch-Krankenfällen über die Planung der Medikation rund um die Operation hinaus. Wenn bei der Überprüfung der Medikationsliste und der Krankengeschichte ein Optimierungspotenzial erkannt wird, befassen sich die Pharmazeutinnen während des stationären Aufenthalts weiter mit der Patientin bzw. dem Patienten und stimmen sich mit dem Behandlungsteam ab. Das betrifft speziell Fälle von Polymedikation, bei denen Patientinnen oder Patienten mehrere Medikamente regelmäßig einnehmen. Letztlich entsteht dabei ein Vorschlag zur Verbesserung der Medikation, der dann im Rahmen des Entlassungsbriefs für die weitere Behandlung im niedergelassenen Bereich mitgegeben wird. „Dies ist ein besonderes Service für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Unsere ersten Erfahrungen zeigen, dass es auch gerne angenommen wird“, betont Direktorin Zwettler abschließend.

Medienkontakt

Wiener Gebietskrankenkasse
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