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Dauernd krank?

Ganz selten steckt eine Abwehrstörung dahinter.

Symbolbild: In Decke gehüllter Mann mit Fieberthermometer im Mund / Bildquelle: Romariolen/shutterstock.com

Jedes Jahr ein paar Infekte sind bei Erwachsenen normal, Kinder können noch viel häufiger krank werden, ohne dass dies ein Anlass zur besonderen Sorge sein muss. Häufig handelt es sich dabei um Virusinfektionen, wie einfache Erkältungen. Braucht ein Kind oder auch ein Erwachsener aber z.B. alle paar Wochen ein Antibiotikum, könnte auch eine angeborene Störung des Abwehrsystems dahinter stecken. Die Medizin spricht dann von „primären Immundefekten – kurz PID“. Diese gehören zu den seltenen Erkrankungen, die nur sehr wenige Menschen betreffen.

Bei Patientinnen und Patienten mit primären Immundefekten kommt es zu schweren, immer wiederkehrenden Infekten bzw. zu Infekten, die nur schlecht auf Antibiotika ansprechen. Viele dieser Erkrankungen werden bereits im Kindesalter erkannt, bei manchen Menschen treten sie erst im Erwachsenenalter auf.

Oberärztin Priv.-Doz.in Dr.in Ruth Fritsch-Stork, PhD leitet im Hanusch-Krankenhaus der WGKK seit Juli 2017 eine Ambulanz für Immundefekte. Sie erklärt, wie Patientinnen und Patienten den Weg zu ihr finden: „Meistens ist es die Hausärztin bzw. der Hausarzt, die bzw. der auf Grund der Krankengeschichte einen ersten Verdacht hat. Aber auch Fachärztinnen und Fachärzte für Inneren Medizin, der Kinderheilkunde oder HNO-Ärzte werden auf diese Patientinnen und Patienten aufmerksam. Erste Bluttests ergeben dann Hinweise, ob eine gesteigerte Infekthäufigkeit im Rahmen einer Störung des Immunsystems vorliegt. Diese Patientinnen und Patienten können dann z.B. an die Ambulanz im Hanusch-Krankenhaus überwiesen werden“. Manchmal kommen die Patientinnen und Patienten auch direkt in die Spezialambulanz im Hanusch-Krankenhaus. Hier befasst sich Priv.-Doz.in Dr.in Ruth Fritsch-Stork intensiv mit der Krankengeschichte der Betroffenen und veranlasst die passenden Laboruntersuchungen.

Die Medizin kennt verschiedene Formen von angeborenen Immundefekten. Um die präzise Diagnose zu erhalten, ist die genaue Erhebung der Beschwerden und v.a. der Infekte besonders wichtig. Daraus ergibt sich eine Verdachtsdiagnose, die dann durch eine genaue Aufschlüsselung der Immunzellen der Patientin bzw. des Patienten im Labor des Hanusch-Krankenhauses weiter abgeklärt wird. Dabei wird im Labor nach internationalen Standards vorgegangen. Die Kombination aus Gespräch, körperlicher Untersuchung und Laborbefund ergibt dann die richtige Diagnose, und daraus folgend auch die Therapie.

Zu den Hinweisen auf eine abklärungsbedürftige Abwehrstörung gehören:

  • mehr als zwei Lungenentzündungen pro Jahr
  • mehr als vier Mittelohrentzündungen pro Jahr
  • mehr als zwei schwere Nasennebenhöhlen- oder Stirnhöhlenentzündungen pro Jahr
  • Erkrankungen durch normalerweise harmlose Bakterien
  • öfter Entzündungen der Mundschleimhaut und Pilzbelag im Mund
  • mehr als zwei Antibiotikabehandlungen im Jahr ohne Effekt
  • Komplikationen durch Lebendimpfungen (Polio, Masern, Varizellen)
  • wiederkehrende Haut- oder Organabszesse oder juckende, quälende Hautausschläge
  • Untergewicht trotz ausreichender Ernährung
  • mehr als zwei bekannte Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • bekannte Immundefekte in der Familie

Kontakt

Die Spezialambulanz für Immundefekte erreichen Sie über die Rheuma-Ambulanz des Hanusch-Krankenhauses. Eine telefonische Terminvereinbarung ist unbedingt nötig: Tel.: +43 1 910 21-85730