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„Erster Österreichischer Demenzbericht“


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Allgemeines

Derzeit gibt es rund 100.000 Demenzkranke in Österreich, zwei Drittel davon sind Frauen. Da die Lebenserwartung der österreichischen Bevölkerung steigt, wird sich die Zahl der Demenzpatientinnen/Demenzpatienten bis 2050 auf bis zu 270.000 erhöhen, also nahezu verdreifachen. Im Jahr 2050 könnte jede/r zwölfte Österreicherin/Österreicher über 60 dement sein.
Auch das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Demenzpatientinnen/Demenzpatienten wird sich rapide verschieben: Bereits heute kommen auf eine/einen Demenzkranke/n nur mehr 42 Personen im erwerbsfähigen Alter. Im Jahr 2000 waren es noch 60. Dem „Ersten Österreichischen Demenzbericht“ zufolge geht diese Schere rasch auf: 2020 werden einem/einer Demenzkranken 32 Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüberstehen, im Jahr 2050 nur noch 15.

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Wo gibt es Optimierungspotenziale?

Demenz Der „Erste Österreichische Demenzbericht“ des Competence Center Integrierte Versorgung (CCIV) zeigt auf, welche Herausforderungen mit der demografischen Veränderung der Bevölkerung auf das Gesundheits- und Sozialwesen zukommen. Er lotet die Optimierungspotenziale in der bestehenden Demenzversorgung aus und liefert die Grundlage für deren bundesweite Planung und Weiterentwicklung in nächster Zukunft.
Ein Problembereich, den der „Erste Österreichische Demenzbericht“ anspricht, sind etwa fehlende Behandlungspfade und Therapieleitlinien für Demenzerkrankte. In einem ersten Schritt werden diese bereits in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen erarbeitet. Als weiterer Problembereich konnte die mangelnde Koordination, Information und Überlastung der Angehörigen identifiziert werden. Die Auswertungen der Abrechnungsdaten der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) zeigt nämlich, dass über elf Prozent der Demenzerkrankten mehr als vierzigmal pro Jahr eine/einen Ärztin/Arzt konsultierten. Das weist darauf hin, dass Ärztinnen und Ärzte oft in die Rolle der Sozialarbeiter/innen geraten, weil keine/kein andere/anderer Ansprechpartner/in greifbar oder bekannt ist. Es zeigt sich, dass kompetente Case-Manager/innen als zentrale Ansprechpartner/innen für alle Fragen rund um die Pflege Demenzkranker – zur Entlastung der Angehörigen, aber auch der Ärztinnen und Ärzte unbedingt von Nöten sind.

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Gefahren für pflegende Angehörige

Weiters wird belegt, wie wichtig die Rolle der pflegenden Angehörigen in der Demenzversorgung ist. Man geht davon aus, dass

  • 80 Prozent der Erkrankten zu Hause gepflegt werden und nur
  • 20 Prozent in einer stationären Einrichtung.

Aus dem Demenzbericht geht jedoch auch hervor, wie gefährdet die Angehörigen sind, durch die körperliche und seelische Dauerbelastung selbst zu erkranken. Zum überwiegenden Teil sind Frauen davon betroffen. Wer eine/n Demenzkranke/n pflegt, ist höherem Stress ausgesetzt als Pflegende, die für Personen ohne Demenz sorgen: Je nach Erhebung litten bis zu 47 Prozent der Pflegenden an Depressionen. Pflegende Angehörige haben sogar ein um 60 Prozent höheres Mortalitätsrisiko. Auch davon sind Frauen mehr betroffen als Männer, denn es sind überwiegend Frauen fortgeschrittenen Alters, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Die notwendige Unterstützung der Angehörigen kann sehr unterschiedlich aussehen: von der Einrichtung einer Krisenhotline über das Bereitstellen einer konkreten Handlungsanleitung, wie man mit dem fortschreitenden Gedächtnisschwund oder den Wesensversänderungen der/des Kranken umgehen kann, bis hin zur Organisation von Kurzzeitpflege, um auch Angehörigen einen Urlaub zu ermöglichen.

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Informationsverlust an Schnittstellen

Ein weiteres Manko ist der immer wieder beklagte Informationsverlust an den Schnittstellen des Gesundheitssystems. Wechselt ein/e Patient/in von der/vom Allgemeinmediziner/in zur/zum Fachärztin/-arzt oder von der/vom niedergelassenen Ärztin/Arzt ins Spital, bleiben oft wichtige Informationen zur Krankheitsgeschichte auf der Strecke. Dieses Problem wiegt bei Demenzerkrankten umso schwerer, als sie nicht mehr in der Lage sind, über ihren Gesundheitszustand Auskunft zu geben.

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Konzepte und Leitlinien für die Zukunft

CCIV-Logo

Wie kann man die Versorgung von Demenzkranken verbessern und die Effizienz des Gesundheits- und Sozialsystems steigern?

Das CCIV der österreichischen Sozialversicherung wird auf der Basis des Demenzberichtes ein österreichweites, optimiertes Konzept im Sinne einer „integrierten Versorgung“ erarbeiten. Integrierte Gesundheitsversorgung zielt darauf ab, alle Schnittstellen im Gesundheits- und Sozialbereich so zu verbinden, dass keine Versorgungslücken entstehen. Konkret bedeutet dies eine reibungslose Vernetzung zwischen pflegenden Angehörigen, Haus- und Fachärztinnen/-ärzte, Spital, Anbieter/innen sozialer Dienste, Sozialversicherung, Sozialarbeiter/innen usw.

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Demenz: Erste Anzeichen, Risikofaktoren und Prävention

Frau im Rollstuhl

Wie sehen die ersten Anzeichen einer Demenz aus?

Die/der Patient/in vergisst ihren/seinen Namen, Nummern oder Ereignisse oder verlegt Gegenstände.

  • Die zeitliche und räumliche Orientierung werden allmählich zu einem Problem.

Es ist, als ob sich die/der Patient/in in einem Nebel verlieren würde. Das Tückische daran: Die Betroffenen bemerken die Veränderung, entwickeln aber Strategien, um ihre „Unzulänglichkeiten“ zu kaschieren, selbst vor den nächsten Angehörigen. Sie delegieren z.B. einfache Tätigkeiten, zu denen sie nicht mehr in der Lage sind, oder schlagen kategorisch Einladungen zu Geselligkeiten aus, um nicht in peinliche Situationen zu geraten. Auf diese Weise geht wertvolle Therapiezeit verloren. Wie bei jeder Krankheit gilt auch bei Demenz die Faustregel: Je früher diagnostiziert wird, desto größer die Chance, die Krankheit aufzuhalten oder die Symptome in den Griff zu bekommen.

Deshalb ist es wichtig so schnell wie möglich die/den Hausärztin/-arzt aufzusuchen, wenn sich die Gedächtnisleistung merklich eintrübt. Es gibt aber auch ganz einfache Möglichkeiten um das Gehirn fit zu halten:

  • neugierig sein
  • unternehmungslustig leben
  • viele Kontakte pflegen

Risikofaktoren wie genetische Veranlagung, Alter oder Geschlecht (Frauen sind eher demenzgefährdet als Männer) lassen sich zwar nicht beeinflussen, andere aber schon.
Schlecht fürs Gehirn sind:

  • (unbehandelter) Bluthochdruck
  • erhöhtes LDL-Cholesterin
  • unbehandelter Diabetes

Gut sind hingegen geistige Herausforderungen ein Leben lang, soziale Kontakte und viel Bewegung.

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Was wird die Demenzversorgung der Zukunft kosten?

Im Rahmen eines Forschungsprojekts, das von Dr. Leo W. Chini, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, und dem CCIV betreut wurde, wurden Hochrechnungen über die zukünftigen Kosten des Gesundheits- und Pflegesektors durch Demenz angestellt. Die Gesamtkosten (ärztIiche Betreuung, Heilmittel, Krankenhaus, Pflege) pro Patient/in und Jahr betragen zurzeit rund 11.000 Euro bei häuslicher Pflege. Für den Fall der Pflege in einem Pflegeheim steigen die Kosten pro Jahr auf das Vierfache.
Bedingt durch den steigenden Anteil der „60+ Bevölkerung“ und der steigenden Lebenserwartung wird sich die Anzahl der „60+ Demenzkranken“ von über 100.000 (2008) auf ca. 270.000 im Jahre 2050 erhöhen. Entsprechend erhöhen sich die jährlichen Gesundheits- und Pflegekosten von 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2007 auf ca. 4,6 Mrd. Euro im Jahr 2050 (Preisbasis 2008). Die Berechnungsergebnisse entsprechen den vergleichbaren Werten in Deutschland, den Niederlanden, skandinavischen Ländern, den USA und Kanada. Dabei noch nicht berücksichtigt sind die volkswirtschaftlichen Kosten außerhalb des Gesundheits- und Pflegesektors.

Sie können den „Ersten Österreichischen Demenzbericht“ hier herunterladen:

linkDemenzbericht (3.8 MB)