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WGKK - Ärztekammer und Wiener Gebietskrankenkasse erreichen Durchbruch bei neuem Vertrag


Tipp

Archivmeldung der WGKK-Öffentlichkeitsarbeit aus dem Jahr 2010:
Bitte beachten Sie, dass die Inhalte (Termine, Kontaktmöglichkeiten,...) möglicherweise nicht mehr aktuell sind.

Wien baut Spitzenstellung bei Gruppenpraxen aus


01.10.2010
Die Ärztekammer für Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) haben sich heute, Donnerstag, nach intensiven Verhandlungen auf eine neue Honorarordnung geeinigt. Damit ist die ärztliche Versorgung in der Bundeshauptstadt für die nächsten drei Jahre fixiert.

Der Abschluss beinhaltet auch einige für die Patientinnen und Patienten wichtige Entscheidungen. So wird mit 1. Jänner 2011 ein neuer Gruppenpraxisgesamtvertrag inklusive der Ärzte-GmbHs abgeschlossen. Weiters haben sich Ärztekammer und WGKK darauf geeinigt, bis 2015 die Vertragsarztstellen so zu verteilen, wie es der
künftigen Stadtentwicklung und dem Bevölkerungswachstum entspricht.

Die Tarife der Allgemeinmediziner und allgemeinen Fachärzte sowie der Pathologen werden per 1. April 2011 um 2,05 Prozent erhöht. Ab 1. April 2012 kommt es für die gleiche Gruppe zu einer weiteren Tariferhöhung um 2,05 Prozent - wobei hier eine Klausel sicherstellt, dass im Falle einer höheren Inflationsrate die Tarife jedenfalls um
die Inflationsrate erhöht werden.
Für die Fachgruppen Labor und Radiologie wurden in Absprache mit den jeweiligen Fachgruppen gesonderte Regelungen vereinbart.

Bereits 50 Gruppenpraxen in Wien

In den jetzigen Honorarabschluss einbezogen sind auch die Gruppenpraxen, unabhängig davon, welche Rechtsform gewählt wird. Für die Patientinnen und Patienten ist damit eine moderne Gesundheitsversorgung garantiert: Gruppenpraxen
ab zwei Ärztinnen oder Ärzten haben mindestens 30 Stunden pro Woche geöffnet, ab drei Ärztinnen und Ärzten sind 40 Stunden vorgesehen - und zwar fünf Tage die Woche. Dazu kommt, dass es keine Urlaubssperre gibt.
Aktuell hat Wien 50 derartige Zusammenschlüsse von Ärztinnen und Ärzten in folgenden Fächern:

  • Allgemeinmedizin: 3
  • Augenheilkunde- und Optometrie: 3
  • Chirurgie: 1
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe: 3
  • Kinder-und Jugendheilkunde: 2
  • Radiologie: 19
  • Orthopädie: 4
  • Innere Medizin: 8
  • Medizinische und chemische Labordiagnostik: 5
  • Pathologie: 2

Damit ist das "Ende der Fahnenstange" aber noch nicht erreicht.
An die 40 weiteren Gruppenpraxen befinden sich bereits in der Pipeline.
Zusätzlich wird es gemeinsame intensive Bemühungen zur besseren Versorgung der Kinder geben: Ein gemeinsames Pilotprojekt – vorerst befristet auf zwei Jahre - sieht erstmals einen Kostenzuschuss im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie vor.
Gemeinsames Ziel ist es, in der Folge auch Kassenverträge für niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater zu vergeben.

Krankmeldung per E-Card

Weniger Zettelwirtschaft für alle Beteiligten soll der verstärkte Einsatz der so genannten Elektronischen Arbeitsunfähigkeitsmeldung (e-AUM) bringen - sprich: die Krankmeldung per E-Card. Für die Versicherten ist die Krankmeldung damit unbürokratisch und rasch erledigt. Der Einsatz des Systems wird schrittweise bis 2015 ausgebaut.
Ab dann ist die Anwendung der elektronischen Krankmeldung
verpflichtend.

Für die Patienten auch wichtig:
Bei Nichtübernahme des Ordinationsstandorts können der bisherige Arzt und sein Nachfolger über einen beschränkten Zeitraum parallel arbeiten. Damit soll gewährleistet werden, dass es in jedem Fall zu einer kontinuierlichen medizinischen Betreuung bei Übergabe von Ordinationen kommt.

Zufriedenheit bei Ärztekammer und Gebietskrankenkasse

Für den Verhandlungsführer der Ärztekammer, Vizepräsident Johannes Steinhart, stellt das Ergebnis "unter den aktuellen Voraussetzung einen wirklich guten Kompromiss" dar. Wichtige Weichenstellungen vor allem hinsichtlich der Ärzte-GmbHs würden den Patientinnen und Patienten garantieren, auch in Zukunft "eine exzellente extramurale Versorgung in der Bundeshauptstadt mit hoher Patientenzentriertheit" zu erhalten.

Ingrid Reischl, Obfrau der WGKK, unterstreicht vor allem den breiten Einstieg bei den modernen Gruppenpraxen: "Wien baut damit seine Spitzenstellung in Österreich weiter aus. Wir sind das erste Bundesland, das das Gesetz zur Stärkung der ambulanten Versorgung in die Praxis umsetzt." Und weiter: "Durch den jetzigen Abschluss sind bis 2013 die Leistungen, die die Wienerinnen und Wiener per E-Card
erhalten, in gewohnter Qualität gesichert."

Besonders freut sich Reischl, dass trotz des engen finanziellen Rahmens "ein wichtiger Schritt bei der medizinischen Betreuung der Kinder und Jugendlichen in Wien erreicht wurde". Die Verhandlungen seien "nicht immer einfach" gewesen, die Einigung zeige aber, dass "sich das System der Selbstverwaltung und vor allem die
Verhandlungsführung auf regionaler Ebene bewährt haben".
Steinhart wertet es in Zeiten eines immer stärker werdenden Ökonomiedrucks im Gesundheitssystem zudem als "beachtlichen Erfolg, wenn sich die Kasse vertraglich verpflichtet, die Leistungen nicht herunterzufahren".